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Gut fotografieren – Die richtige Blende

Sie möchten besser fotografieren? Ihre Kamera liefert Ihnen beste Instrumente und Werkzeuge, um Ihr Repertoire zu erweitern. Die Blende arbeitet und gestaltet die wichtigste Zutat beim Fotografieren, dem Licht. Sie macht aus einem Motiv ein Erlebnis.

Bei der Blende handelt es sich um das Einfallstor Ihrer Kamera. Unsere natürlichen Augen öffnen oder verkleinern ihre Pupillen entsprechend der Umgebungseinflüsse. In Dämmerung und Dunkelheit werden sie größer, um geringe Lichtmengen auszunutzen. Bei großer Helligkeit verengen sie sich zu kleinen Punkten und Sehschlitzen. Die Netzhaut empfängt das Bild und verfolgt es variabel. Dabei bleibt die Belichtungszeit beständig offen. Auch die Empfindlichkeit der Lichtverteilung auf der Netzhaut, der ISO-Wert passt sich ständig an. Ihrer Kamera geben Sie für die gewünschte statische Momentaufnahme die drei Werte, Belichtungszeit, Blende und ISO vor. Der Moment kann durch die Belichtungszeit natürlich gedehnt werden.

Aufbau und Einstellung der Blende

Um gut zu fotografieren, reicht Ihnen das Einstellen der drei Basiswerte Belichtungszeit, Blende und ISO aus, um handwerklich saubere Aufnahmen zu erzielen. Lesen Sie auch meine Beiträge zur Belichtungszeit und zum richtigen ISO-Wert. Die Blende besteht aus ringförmig angeordneten Lamellen, die sich symmetrisch im Objektiv nach innen und außen bewegen lassen. Je nach Rückzugs- oder Schließgrad bildet das verbleibende Loch in der Mitte einen Lichttunnel oder Kanal. Die Skala der Einstellung baut aufeinander auf und bildet eine sogenannte Blendenreihe. Der Basiswert Blende 1 bezeichnet den vollkommen geöffneten Zustand. Das gesamte vor der Kamera vorhandene Licht kann eindringen. Mit ansteigendem Wert schließt sich Ihre Blende immer weiter. Die gängige Blendenreihe aus Spiegelreflexkameras umfasst folgende ganze Einstellungsstufen: 1 | 1,4 | 2 | 2,8 | 4 | 5,6 | 8 | 11 | 16 | 22 und 32. Der Sprung zwischen jeder Stufe verringert den Durchmesser der Öffnung um die Hälfte. Je nach Hersteller und Kamera lassen sich auch halbe und Drittel Blendenstufen einstellen. In der üblichen Schreibweise finden Sie an Ihrer Kamera für Blende 4 den Skalenwert f/4, 1:4 oder 1/4 vor.

Die Blende - Objektive mit unterschiedlichen Blendenstufen
Unterschiedliche Blendenstufen bei einem Objektiv. (Foto: KoeppiK, CC-BY-SA, o. Änderungen)

Bei einigen Kompaktkameras kann die Blende – wie bei Spiegelreflexkameras im Automatikmodus – nicht von Hand eingestellt werden. Sie wird von der Automatik vorgegeben. Kameras in Handys verfügen meist über eine feste, nicht variable Blende. In diesem Fall wird die Belichtung durch die Software nur über den ISO-Wert und die Belichtungszeit reguliert.

Lichtmenge und Schärfentiefe

Die Blende lässt die von Ihnen gewünschte Lichtmenge eindringen. Je mehr Licht durch die Öffnung eindringt, desto mehr schrumpft der scharfe Ansichtsbereich, das heißt, die Schärfentiefe nimmt ab. Alle umgebenden Motivinhalte wie beispielsweise Hintergründe “verschwimmen” in Unschärfe. Wenn Sie hingegen die Blendenöffnung verringern, wächst der Anteil der scharf abgebildeten Bildanteile. Um eine möglichst hohe Schärfentiefe zu erzielen, reduzieren Sie also die Lichtmenge. Damit kein Lichtmangel entsteht, der zu einer Unterbelichtung führt, setzen Sie eine längere Belichtungszeit und bzw. oder eine höhere Aufnahmeempfindlichkeit (ISO) dagegen. Mit der Blendeneinstellung realisieren Sie Ihren Motivwunsch, d.h. die Art der Darstellung. Was unser menschliches Auge von selbst erledigt, können Sie technisch “sezieren” und in Einzelschritten beeinflussen. Motive entlang der Längsachse können Sie einzeln selektieren und scharf stellen oder Sie erhöhen die Schärfentiefe durch einen höheren Blendenwert, um auf diese Weise alle Motive scharf zu stellen.

Blumentopf im Winter
Blumentopf mit geringer Schärfentiefe aufgenommen (Blende 4)

Praktischer Einsatz und Motivgestaltung

Gut fotografieren heißt für viele Menschen, ein Motiv möglichst authentisch abzubilden. Diese Zielsetzung ist ehrenwert, schränkt jedoch die Möglichkeiten einer Kamera sehr ein, da sie dann nur einen “eingefrorenen” Moment erzeugt. Um die Authentizität zu unterstützen, die Stimmung einzufangen und somit auch besser zu fotografieren, sollten Sie ihre Blendeneinstellungen öfters variieren. Landschaften als Panoramabilder sollen oft einen möglichst großen und ausgeweiteten Schärfebereich erhalten. Hintergrund und nähere Objekte sollen natürich abgebildet werden. Blendenwerte von acht oder höher, abhängig von den äußeren Lichtverhältnissen, schaffen diese Voraussetzung. Sollte Ihre Absicht sein, einzelne Objekte wie besondere Gewächse hervorzuheben, visieren Sie diese mit geringeren Blendenwerten an. Ist der Hintergrund dann sehr unscharf, dann nennt man das freistellen. In beiden Fällen erzeugen Sie ein ansprechendes Bild. Sie bestimmen aber Betrachtungsweise, Fokus und Perspektive des Betrachtens. Als Fotograf führen Sie mit Ihrer Kamera immer Regie und bestimmen durch die Blende die Wirkung des Motivs. Besser fotografieren lässt sich auch durch das bewusste Abweichen von der Regel. Dämmerungsstimmungen können Sie beispielsweise mit der Blende stark verfremden. Schnell wird aus einer romantischen Abendstimmung eine tageslichthelle Betrachtung. Den Grad der Authentizität bestimmen Sie.

Praktische Tipps, um besser zu fotografieren

In fast jeder fotografischen Situation finden Sie einmalige und individuelle Bedingungen vor. Nur in der statischen Produktfotografie werden alle Zufallsvariablen ausgeschaltet, die Ihre Blende, Belichtungszeit und ISO unbeabsichtigt beeinflussen. Moderne Kameras geben Ihnen technisch bedingten Interpretationsspielraum. Da bei der Bewertung und Inszenierung immer auch Ihr persönlicher Geschmack eine Rolle spielt, sollten Sie das gleiche Motiv mit wechselnden Einstellungswerten einfangen. So entwickeln Sie ein Gespür dafür, bei welcher Blende Ihre Kamera Ihnen die gewünschten Ergebnisse liefert.

Mit Blendeneinstellung, Belichtungszeit und ISO bilden Sie Ihre Bildmotive auf authentische Weise ab. Sie können allerdings großen Einfluss auf Gewichtungen und Perspektiven nehmen. Trotz objektiver Wahrheit schöpfen Sie Ihren sehr eigenen künstlerischen Ausdruck und finden früher oder später zu Ihrem eigenen Stil.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine korrekte Blende für jede Situation?

Obwohl es keinen Idealwert gibt, existieren natürlich Faustregeln für Aufnahmen mit Normalbelichtung. Die wohl bekannteste lautet: “Sonne lacht – Blende acht”. Sie stammt noch aus der Zeit der Analogfotografie, in der meist ein Film mit ISO 100 in der Kamera lag. In geschlossenen Räumen wäre dann die Blende vier die erste Wahl. Da heute jedoch der ISO-Wert für jedes Foto angepasst werden kann, hat die gestalterische Dimension der Blende gegenüber der Belichtungsregulierung an Bedeutung gewonnen. Beim Fotografieren würde ich daher die Blende als Gestaltungsmittel gezielt nutzen:

  • bis max. Blende 4 zur Freistellung des Motivs vor einem unscharfen Hintergrund,
  • Blende 8 und höher für eine hohe Schärfentiefe, bei der alle Elemente scharf dargestellt werden.

Allerdings nimmt hierbei noch die Brennweite Einfluss. Je höher die Brennweite (z.B. Tele) umso stärker werden die Unschärfe-Effekte.

Wie stelle ich meine Kamera optimal ein?

Ich empfehle insbesondere Anfängern ISO und Belichtungszeit auf Automatik zu stellen (Modus Zeitautomatik, AV) und dann mit der Blende die gewünschte Schärfentiefe einzustellen. Entstehen zu lange Belichtungszeiten, muss die Blende weiter geöffnet, d.h. ein geringerer Blendenwert eingestellt werden. Diese Kameraeinstellung verwende ich selbst gern. Man sollte darauf achten, den automatischen ISO-Wert möglichst zu begrenzen. Näheres finden Sie in meinem Artikel.

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